Christines kleine Schreibstube


 

Ich hoffe, dass ich Sie ein wenig vom Alltag
ablenken kann
und wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit 

 

 

 

Die alte Posaune

 

Im Himmel übte der Engelchor. Jedes Mal, wenn der Engel mit der Posaune seinen Einsatz hatte, hielt sich der Engeldirigent die Ohren zu. Der Klang der alten Posaune tat seinen empfindlichen Ohren weh.
'Die Posaune sollte verschrottet werden' sagte er ganz laut, und darüber erschrak der Posaunenengel. Er liebte sein altes Instrument. Jahrelang hielt er es in Ehren. Er putzte es regelmäig auf Hochglanz. Auf ihm lernte er spielen.
Um den Dirigenten nicht unnötig zu erschrecken, setzte er ganz leise ein, damit keine schrillen Töne zu hören waren. Ja, der Posaunenengel beherrschte sein Handwerk. Doch selbst damit war der Dirigent nicht zufrieden. Er bestand darauf, dass der Engel eine neue Posaune bekam. 


Der Posaunenengel konnte sich jedoch von seinem alten Stück nicht trennen. Er flog abends aus der Himmelspforte und blies nach Leibeskräften seine Posaune. Er fand es himmlisch. So näherte er sich langsam der Erde. Ganz außer Puste beschloss er, sich in einer Kirche ein wenig auszuruhen. Er steuerte dem Kirchengelände zu und hörte wunderschöne Lieder, die aus dem Inneren der Kirche nach draußen klangen. Neugierig öffnete er die Tür, sah viele Menschen mit Liederblättern vor dem Altar stehen und hörte den Chor aus voller Brust singen. Es klang schön, und der Posaunenengel schwang sich auf die Empore. Er lauschte dem menschlichen Gesang, und es wurde ihm ganz warm ums Herz. Seine Posaune legte er neben sich. Es konnte ihn niemand sehen. Er war ja ein Engel.
Beim Lied 'Tochter Zion' hielt er es nicht länger aus. Er nahm seine Posaune und blies dazu so laut er konnte. Es klang gewaltig in der großen Kirche. Die Augen der Menschen richteten sich alle nach oben Richtung Empore, von der der wundersame Klang kam, während sie sangen. Als das Lied zu Ende war, blies der Engel noch ein Solo hinterher. Er war so selig. So etwas Schönes hatte er noch nicht erlebt. Die Augen der Sänger und Sängerinnen strahlten, und das gefiel dem Engel besonders.
Dann sah er, wie sie die Treppe emporstiegen. Sie wollten sehen, wer so himmlisch die Posaune beherrscht. Doch der Engel war verschwunden. Es blieb für die Menschen ein Rätsel.

Der Posaunenengel jedoch spielte im Himmelschor mit der neuen Posaune, die alte hob er auf, und jedes Jahr um die Weihnachtszeit fliegt er mit seiner alten Posaune auf die Erde, spielt heimlich in Kirchen und sorgt jedes mal für ein weihnachtliches Wunder.

 

 

 

 

Das Mädchen und die Christrosen

 

Es war früher Nachmittag, am 24. Dezember.

Oma hatte sie warm eingepackt, wie eine Zwiebel. Ein Unterhemd dünn, ein Hemdchen dicker, etwas kratzig, einen dünnen Pullover, einen dickeren, einen Mantel mit Goldknöpfen, dicke Strümpfe auch kratzig, eine Wollmütze, Schal, Handschuhe, noch kratziger, Schuhe, die viel zu klein für die dicken Strümpfe waren....

Schließlich sollte die Kleine zum naheliegenden Rodelberg gehen.

Doch sie hatte es sich anders überlegt. Sie wollte Oma heute am Heiligabend eine Freude machen.

Draußen war es bitterkalt. Sie kannte den Waldweg, denn sie war ihn oft mit Oma im Sommer und Herbst gegangen. Er führte zu den Bauernhöfen, und dort konnte man Eier und Milch kaufen. Auf halber Höhe musste man die Bahngleise überqueren. Das war immer sehr aufregend. Oma schärfte es ihr ein, stehen zu bleiben, zu lauschen, nach links und rechts zu schauen, und dann erst schnell über die Gleise zu laufen. Doch heute sah alles anders aus.

Es hatte geschneit, der schmale Waldweg war kaum zu erkennen. Kein Mensch hatte eine Spur im Schnee hinterlassen.

Die Kleine kletterte die Böschung im Wald hinauf. Dadurch war sie schneller oben.

Und sie wusste, warum sie den Weg verließ, denn dort wachsen keine Christrosen.

Das Laub war rutschig und nass. Manchmal kroch sie wie ein kleiner Hund auf allen vieren. Die Nase fing an zu laufen, doch warum hat man einen Ärmel?

Sie hätte sicher ihr Taschentuch gar nicht gefunden, denn in Handschuhen ist man so ungeschickt.

Sie lief kreuz und quer, immer auf der Suche  nach Christrosen, die aus der dünnen Schneedecke an geschützten Plätzen hervor schauten. Da stand eine. Wie schön.

Es war eine Knospe. Sie hatte eine kleine Schneemütze auf. Ihr Herz hüpfte.

"Jetzt habe ich eine", dachte sie. "Die nehme ich für Oma mit". Das Pflücken war gar nicht einfach und der Handschuh war im Weg. Ab in die Manteltasche damit.

Der Stiel war hart und gefroren und sehr kurz. Die Kleine räumte das schützende Laub um die Pflanze weg. Sie wollte nicht nur die Knospe haben. Zehn Zentimeter lang musste er sein, das kannte sie von Omas Vase.

Sie knipste ganz vorsichtig mit ihren kleinen Fingernägelchen die Christrose ab.

Doch nur eine? Die sieht ja ärmlich aus in der Vase", da nehme ich noch ein Blatt mit", dachte die Kleine. "Es m�ssen mindestens drei Blüten sein".

An einer besonders geschützten Stelle fand sie ein richtiges "Christrosennest".

 

Sie kam aus dem Staunen gar nicht heraus. Geschickt pflückte sie eine Blüte nach der anderen. Im Nu hatte sie ihr Händchen voll.

Nun aber nichts wie nach Hause. Die Hand tat ihr weh. Doch der Handschuh blieb in der Manteltasche.

Nun aber schnell bergab. Manchmal rutschte sie aus. "Wie wird mein Mantel aussehen? Macht nichts, den bringe ich schon wieder sauber, Oma wird schon nichts merken." Die Pflanzen hielt sie fest. Sie waren das wichtigste.

Durch das Kreuz- und Quergehen hatte sie sich verirrt. Sie fand den Weg nicht mehr. Das Herzlein klopfte. Angst kroch in die Glieder und ein paar Tränen liefen die Wange hinunter.

"Lieber Gott, hilf mir", das war ein kleines Stoßgebet, das sie nach oben richtete. Sie kletterte wieder hinauf, fand irgendwann die  vertrauten Bahngleise, den Weg zum Überqueren und dann rannte sie den Waldweg herunter.

Nun war ihr alles wieder vertraut.

Die Christrosen versteckte sie hinter dem dicken Vorhang im Flur bei Oma. Den Mantel b�rstete sie ordentlich mit der Schuhb�rste sauber. Eine andere gab es nicht. In die nassen Schuhe stopfte sie Zeitungspapier.

In ihrer Abwesenheit war bei Oma das Christkind gekommen. Es roch nach Tanne, nach Kakao und Weihnachtsplätzchen und neue Schuhe standen da.

"Da bist du ja, du kommst gerade recht, hast du schöne, rote Bäckchen", hörte sie Oma sagen. "Das Christkind war da!"

Und die Kleine holte ihr Sträußlein hervor, sah in Omas verwunderte, gütige Augen und strahlte sie an: "Für Dich, vom Christkind."

Von ihrer Angst, den Tränen und dem Gebet erzählte sie Oma nichts.

© C.W.

 

 

 

IN DER ADVENTSZEIT

 

In der Engelschule gibt es in der Adventszeit ein neues Unterrichtsfach.

Es heißt: Sinnvolles Schenken

Früher war dieses Fach nicht notwendig.

Da bekamen die Kinder Handschuhe, Mützen, Strümpfe, Pullover, Schuhe, einen Schlitten, Puppen, Teddys, Bilderbuch, Spiele oder sonstige nützliche Sachen zu Weihnachten geschenkt.

Unsere Eltern und auch wir Älteren wissen noch davon zu erzählen. Wie war die Freude groß, wenn die Puppe ein neues Kleid bekam und ein Bilderbuch auf dem Gabentisch lag. Die Weihnachtsplätzchen gab es wirklich nur zu Weihnachten und ein Schokoladen Weihnachtsmann war etwas ganz besonderes.

Heute würden viele Kinder die Nase rümpfen, wenn sie eine selbstgestrickte Mütze oder Strümpfe vom Christkind bekämen.........

Und die Weihnachtslaune wäre dahin.

Manche Kinder wünschen sich Computerspiele.

Nun ist es Aufgabe der Engelschule, diese zu prüfen. Welche sind gut für das Kind? Welche richten Schaden in der zarten Kinderseele an?

Ein riesengroßer Stapel zum Kontrollieren und Sortieren liegt nun vor ihnen.

Auch Spielsachen müssen aussortiert werden.

Alles was mit Gewalt zu tun hat, wird entfernt.

Dann kommen die Bücher dran.

Sie werden von Engel gelesen und gute Bücher werden nach Altersgruppen sortiert. Was ist gut für den Menschen, was schadet der Seele? Viele Bücher  wandern ebenfalls in den Müllsack.

Darauf steht in großer Schrift: UNGEEIGNET

 Die Ecke mit diesen Säcken füllt sich blitzschnell. Nach der Unterrichtsstunde sind die Engel mit dem Entsorgen beschäftigt.

Einen Engel höre ich aufgeregt sagen: "Und wem schenke ich jetzt meine selbstgestrickten Strümpfe, die ich mit viel Fleiß und Liebe  vorbereitet habe?

Nein, die kommen nicht in den Müll, ich finde sicher jemanden, der sich darüber freut."

Und ich sehe den Engel spitzbübisch lächeln.

                    © C.W.        

                                                                               

Der glückliche Weihnachtsengel

 

Der Engel hatte bis jetzt nur Aufgaben im Himmel zu erledigen. Dort hatte alles seine Ordnung. Wenn er etwas nicht konnte, brauchte er nur kurz mit seinem goldenen Handy zu klingeln und schon wurde ihm geholfen. Alles ging friedlich und ruhig zu, jeder hatte ein Lächeln im Gesicht und half gerne.

 

Doch heute sollte sich für ihn einiges ändern. Ein Engel schickte eine Nachricht von der Erde in den Himmel und forderte Verstärkung an. Er hatte einen besonders schwierigen Menschen zu betreuen und brauchte deswegen dringend Unterstützung. Die Wahl fiel auf ihn, und er war stolz darauf, denn es war eine große Ehre und auch eine willkommene Abwechslung, den behüteten Himmel verlassen zu dürfen.

 

Schnell holte er die selbstgestrickten Ringelstrümpfe und den Schal hervor, denn auf der Erde war es kälter. Das wusste er vom Erzählen.

Er zog sein Sternenkleid an, steckte sein goldenes Himmelshandy ein und ab ging es. Mit diesem Handy konnte er immer mit anderen Engeln Verbindung aufnehmen. Da konnte wirklich nichts passieren.

 

Auf der Erde war alles wunderschön weiß. Er teilte sich den Dienst mit dem anderen Engel. Am Anfang sollte er nachts wachen. Später sollte getauscht werden.

Stundenlang saß er am Fenster und schaute in den Sternenhimmel, während sein Schützling schlief. Am Tage konnte er in der Umgebung herum streifen, lernte viele Menschen und andere Engel kennen, und am Abend trat er müde und zufrieden seinen Dienst an.

 

Er nickte kurz ein, und da war es passiert. Er wurde von einem beißenden Geruch wach. Das Zimmer war voller Qualm. Wie konnte das passieren? Es fiel ihm ein, dass eine brennende Kerze am Bett seines Schützlings stand, auf die er eigentlich aufpassen wollte. "Ach Gott, ach Gott", rief er. Was sollte er tun? In seiner Panik öffnete er auch noch ein Fenster, und durch die Luftzufuhr wurde der Brand größer.

Er tastete sich an das Bett, tippte seinen Schützling an, um ihn zu wecken. Der rührte sich gar nicht.

Zum Anrufen war keine Zeit. Er musste schnell handeln. Er schüttelte ihn mit seinen ganzen Kräften. Sein Schützling fing an zu husten und eilte durch die Türe nach draußen. Das war geschafft. Nun wusste er ihn in Sicherheit.

 

Mit Decken erstickte der Engel das Feuer und war so voller Eifer, dass er gar nicht merkte, wie seine wunderbaren Haare versengten.

 

Er schuftete die ganze Nacht, rettete, was noch zu retten ging, schaute ab und zu nach seinem Schützling, der friedlich im Wohnzimmer weiter schlief. Er hatte wohl gar nicht richtig mitbekommen, in welcher Gefahr er sich befand.

 

Als am Morgen seine Wachablösung kam, lachte dieser laut, als er den zerrupften  Engel sah.

Spiralförmig standen ihm die Haare zu Berge, aber er war glücklich.

 




 

Die beschwipste Weihnachtsmaus

 

Im Keller hatte sich im Herbst eine Maus einquartiert.

Das Katzenfenster war zum Lüften aufgemacht worden.

Baggy, der schwarze Kater rannte im Garten hinter ihr her. Er packte sie, warf sie in die Luft, fing sie wieder, und sie dachte, ihr letztes Stündlein sei gekommen. Doch Baggy ließ sie wieder fallen, sie rannte um ihr Leben, wollte sich unter einem Busch verstecken, doch ach, Baggy erwischte sie wieder, und dasselbe Spiel begann. Ihr wurde ganz schwindlig, und sie fand dieses Spiel gar nicht lustig. Deshalb floh sie durch das Kellerfenster nach innen, um sich zu verstecken und zu erholen. Die Knochen taten ihr weh, zum Glück war nichts gebrochen. Der Kater hatte nicht fest zugebissen, also hatte sie auch keine Wunde. Nur der Schreck saß noch tief. Schließlich hatte sie so etwas noch nicht erlebt und sie wollte es auch nicht mehr erleben.

Sie versteckte sich unter den vielen Brettern, die kreuz und quer auf dem Boden herum lagen. Das war ihr Glück, denn sonst hätte sie Baggy erneut erwischt, und wer weiß, was er noch alles mit ihr vorgehabt hätte. Sie zitterte am ganzen Körper. Unter den Brettern war es kalt und dunkel. Doch sie traute sich nicht hervor, denn sie hörte, wie der Kater nach ihr suchte. So blieb sie still sitzen, bis die Luft rein war. Dann schaute sie vorsichtig aus ihrem Versteck hervor. Doch, o Schreck, das Kellerfenster war geschlossen. Was sollte sie tun? Sie setzte sich hin und weinte. Das half auch nichts, und so überlegte sie, was sie tun könnte. Sie erkundete den Keller. Darin war so viel Gerümpel, ein wahres Paradies für eine kleine Maus.

Plötzlich fand sie den Keller gar nicht schlecht, da konnte man wohnen. Es war viel wärmer als draußen, und der Winter stand vor der Tür. Sie suchte nach etwas Essbarem und fand eine Schachtel mit Vogelfutter. Die Körner würden ihr zur Not reichen, dachte die kleine Maus. So verkroch sie sich in einer Schachtel, die im oberen Regal stand und schlief friedlich ein.

Jedes Mal, wenn die Katzenklappe betätigt wurde, zuckte sie zusammen und duckte sich in ihrer Kiste. Doch von dort konnte sie genau beobachten, wenn Kater Baggy kam. Dann hieß es, mucksmäuschenstill zu sein. Und das konnte sie. Der Kater schnupperte herum, er bemerkte die Anwesenheit der kleinen Maus, doch er fand sie nicht.

Vor Weihachten brachte die Frau ein paar Schachteln mit Pralinen in den Keller. Die kleine Maus hatte die Körner satt, und so beschloss sie, eine Schachtel an zu knappern. Es war ein hartes Stück Arbeit, bis sie an die Praline kam. Doch der Duft trieb sie an, und sie brauchte eine ganze Nacht dazu.

Wie schmeckte ihr die Schokolade und der Schnaps war köstlich. Sie tanzte vor Freude auf dem Tisch herum und so lange bis sie müde wurde. Dann kroch sie das Regal hoch. Das machte ihr Schwierigkeiten. Mehrmals rutschte sie ab und fiel auf den Boden.

Schließlich war sie beschwipst. Darüber musste sie lachen, es machte richtig Spaß. Doch irgendwann war sie in ihrer Kiste angekommen. Morgen würde sie wieder eine Praline essen. Mit diesem schönen Gedanken schlief sie selig ein.

                                                             

                      

 

Der Weihnachtseinkauf

 

Es war ein harter Winter. Tagelang hatte es geschneit. Der Schnee lag hoch, sogar auf den Bürgersteigen räumte ihn niemand weg. Das war einfach nicht üblich. Der Schnee wurde festgetreten und nachts fror die Spur und es knirschte ordentlich.

Es war für Wattinchen nicht leicht, in die großen Fußstapfen der Erwachsenen zu treten. Doch es machte ihr Spaß, sich hüpfend fort zu bewegen.

 Wattinchen war noch kein Schulkind, aber im nächsten Jahr sollte sie es werden.

Sie war auf dem Weg zur Oma. Es war ein weiter Weg, und es gab unterwegs so viel zu entdecken, dass es auch lange dauerte bis sie bei Oma ankam.

Heute Abend sollte bei Oma das Christkind kommen und Wattinchen durfte ein paar Tage bei Oma bleiben.

Oma wohnte in einem Dachzimmer im dritten Stock eines großen Hauses. Unten war eine Bäckerei und es roch immer so gut in diesem Haus.

Wattinchen nahm gleich zwei Stufen auf einmal, sang noch dabei, so dass sie dann keuchend an Omas Tür klopfte.

Oma war froh, dass Wattinchen früher kam. Sie brauchte noch einiges aus dem Laden im Dorf und selbst traute sie sich bei diesem Wetter nicht hinaus. Sie war gehbehindert und fürchtete den hohen Schnee und vor allem die glatten Stellen.

 

 "Gott sei Dank, dass du da bist," mit diesen Worten begrüßte sie die Kleine.

Die roten Wangen leuchteten, ebenso das rote Näschen. Oma drückte ihr gleich einen Einkaufszettel und eine Tasche, in der eine Geldbörse lag, in die Hand. "Lauf schnell noch mal in den Konsum, wir brauchen noch einiges zum Fest, und eil dich, es wird heute sehr schnell dunkel." Mit diesen Worten drängte sie Wattinchen zur Tür, und schon war Wattinchen wieder auf der Treppe.

 Oma wartete und wartete. Sie wurde langsam unruhig, denn draußen begann es zu dämmern. Dicke Flocken fielen vom Himmel. Sie wurden immer dichter.  "Ob ich ihr entgegen gehen soll?" Oma schaute ständig auf die Uhr und an die Tür und lauschte, aber nichts war zu hören.

 "Ich hätte doch selbst gehen sollen, sie ist einfach noch zu klein und so verspielt, wer weiß, wo sie sich wieder herum treibt." Das alles ging Oma durch den Kopf.

 Und Oma hatte recht.

Kurz vor dem Konsum traf Wattinchen an einem Zaun eine schwarz-weiße Katze, die im hohen Schnee kaum vorwärts kam und jämmerlich miaute.

"Ich trag dich ein Stück, wo wohnst du denn?" Sie drückte die Katze ganz dicht an sich, spürte das weiche, etwas nasse Fell an ihrer Wange, streichelte das Tier und merkte ein leichtes Zittern. Die Katze war schwer, Wattinchen stellte sie wieder in den Schnee, aber sie lief nicht weg, miauend drückte sie sich an ihre Beine.

"Du kommst jetzt mit mir zur Oma, die kocht immer so einen guten Kakao und da kriegst du auch was davon ab."

Sie packte die Katze in ihre Tasche, vergaß vor lauter Katze natürlich den Weihnachtseinkauf und machte sich auf den Heimweg.

Mehrmals stellte sie die Tasche ab, streichelte das Tier und dann ging es wieder weiter. Der Weg führte bergauf. Es war nicht einfach für Wattinchen mit den kurzen Beinen und der schweren Tasche vorwärts zu kommen.

 Oma stand im Mantel an der Haustür und war so froh, die Kleine wohlbehalten und mit voller Tasche zu sehen. "Da hast du aber schwer schleppen müssen, komm gib mir die Tasche."

Wattinchens innere Stimme mahnte sie zum Schweigen. Sie reichte Oma die Tasche und damit ging es die vielen Treppen hinauf. Bei jedem Absatz blieb Oma stehen und schnaufte.

 "Jetzt machen wir es uns aber gemütlich," sagte Oma. "Oh ja, das machen wir und bald kommt das Christkind."

Oma stellte die Tasche auf den Tisch, die aber plötzlich umfiel. Ein Katzenkopf kam zum Vorschein.

Oma blieb fast das Herz stehen. Sie riss den Mund auf, brachte aber keinen Ton hervor. Und das war gut so, denn im ersten Moment hätte sie sicher etwas gesagt, das Wattinchen nicht gefallen hätte.

"Das ist also der Weihnachtseinkauf," stöhnte sie. "Frohe Weihnachten", aber dann hatte sie sich wieder gefangen.

Sie lächelte Wattinchen an mit den Worten: "Du bist mir eine," und dabei half sie ihr beim Ausziehen der nassen Handschuhe und der schneebedeckten Mütze.

 

Das war es, was Wattinchen so liebte an ihrer Oma bis zum heutigen Tag.

 

 

 

Tine und Tinchen

 Tine heißt eigentlich Christine und sie ist eine ältere Frau, die mit ihrer Katze Tini, Schmusename: Tinchen,  ganz allein in einem alten Haus wohnt. In diesem Jahr feiern sie wieder gemeinsam das Weihnachtsfest. Beide gewöhnten sich im Laufe der Zeit aneinander. Im Frühjahr gesellte sich noch Kater Wusel zu dieser Gemeinschaft. Er wohnt eigentlich im Haus nebenan, aber er verbringt fast den ganzen Tag bei seiner Pflegemutter Tine. Sie ist mehr zu Hause als seine Leute, und Katzen wollen eben Gesellschaft. Aber nicht nur Katzen.

Wenn Tine früh gegen sieben aufsteht, wartet Kater Wusel schon ungeduldig vor der Haustür. Er muss so lange warten, bis Tini, das Katzenmädchen gefressen hat. Schließlich hat sie ältere Rechte als der Besucher.

Dann geht Tini ins Schlafzimmer und rollt sich auf ihrer Decke zusammen, während Kater Wusel mit großem Appetit sein Frühstück verdrückt. Ob es das erste ist, weiß Tine nicht. Vielleicht hat er schon zu Hause gefressen, denn Tine schickt ihn abends heim. Manchmal kommt er nicht mehr in sein Haus, da muss er die Nacht draußen verbringen, und so kann es vorkommen, dass er schon gegen sechs Uhr jämmerlich am Schlafzimmerfenster miaut. Zum Glück ist es zur Zeit noch mehrere Grad über Null.

Tini hat es da viel besser. Sie kann kommen und gehen, wann sie will. Am Hals trägt sie einen Magneten, der ihr die Katzenklappe nach Belieben öffnet. Ein großes Vorrecht.

Wenn Tine frühstückt, dann ist sie nicht alleine. Kater Wusel setzt sich neben sie an den Tisch. Er wartet stets auf ein kleines Stück Butter, das er Tine liebevoll vom Finger schleckt. Eigentlich möchte er noch mehr, aber Tine will ihn nicht mästen, schließlich wiegt er schon sieben Kilo, und das ist für eine Katze viel.

Danach legt sich Kater Wusel auf den Ledersessel, der am Computer steht. Man sieht ihn kaum liegen, denn er ist genau so schwarz wie der Sessel.

Tine setzt sich vorne an den Rand, wenn sie am Computer sitzt, während Kater Wusel ihr das Hinterteil wärmt. Er denkt nicht daran, diesen gemütlichen Platz aufzugeben.

Tinis Lieblingsplatz ist der Vogelkäfig. Dort liegt sie oft stundenlang und schaut dem Treiben des kleinen, bunten Vogels zu. Manchmal sind sie nur einige Zentimeter durch die Gitterstäbe getrennt. Tini steckte schon öfter ihre schmale Pfote durch, um den Vogel zu berühren. Doch sie zieht sie dann wieder schnell zurück. Vielleicht hat der schlaue Vogel mit seinem starken Schnabel schon einmal nach ihr gepickt. Meistens wird sie vom vielen Beobachten müde und schläft selig ein, während unter ihr reges Treiben herrscht. Damit es schön weich ist, legte Tine ein Kissen auf den Vogelkäfig.

 

 

Tini schläft nachts bei Tine. Manchmal kommt es vor, dass Tini schon sehr früh Hunger hat. Was macht sie da? Sie weckt Tine, in dem sie um ihren Kopf streift und sie mit ihrem kalten Näschen mehrmals anschubst. Das ist aber nicht alles. Tini hat heraus gefunden, wie sie das Radio anstellen kann. Es ist ein Gerät, welches die Bedienungstasten auf der Oberseite hat. So kann Tini mit ihren geschickten Pfoten an- und ausmachen. Sie hat es sich gemerkt, dass Tine vor dem Aufstehen immer das Radio anschaltet. Dadurch kam sie vielleicht auf die Idee, durch ihr Anschalten Tine zu bewegen, schneller aufzustehen. Und sie hatte Erfolg.

Tine wankt nach draußen, füllt Tinis Schüssel mit Futter und schlüpft danach wieder ins warme Bett. Nach kurzer Zeit legt sich auch Tini  wieder zu ihren Füßen, satt und zufrieden schläft sie dann wie ein Baby ein.

Beim ersten Mal hatte Tine gemeint, es sei ein Zufall, dass Tini das Radio einschaltete. Doch so viel Zufälle gibt es gar nicht. Mittlerweile macht sie es ganz gezielt und schafft es sogar einzuschalten, obwohl Tine einen dicken Kalender auf das Radio gelegt hat, um ihr das Einschalten zu erschweren. Aber gefehlt. Tini ist schlau, schlauer als Tine.

 



 

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